Jüdische Lösnicher und ihre Nachfahren

Ein angenehmer Sommertag an dem viele aus Lösnich und der Umgebung sich am 13.6.2010 einfinden im Bürgersaal von Lösnich. Ein Tag, der den jüdischen Lösnichern gewidmet ist, die im Holocaust ermordet wurden. Marie-Luise Conen (Berlin, geboren in Lösnich) und Hilde Weirich (Kleinich) forschten sechs Jahre über die Geschichte der Juden aus Lösnich und haben dazu ein Buch geschrieben, das sie vorstellen: Jüdische Familien von der Mittelmosel (Paulinus Verlag, Trier, 24,90 EUR) Sie haben dabei die Lebensverläufe von allen in Lösnich geborenen Juden und deren vielzähligen (1700) Nachfahren erkundet.

11 Nachfahren aus den USA, Israel, England, Holland und Frankreich waren der Einladung der Gemeinde gefolgt, an der Buchvorstellung und dem Gedenken ihrer Vorfahren teilzunehmen. Für manche von ihnen kein einfacher Weg, um so mehr waren sie erfreut über den herzlichen Empfang und die gute Betreuung während ihres mehrtägigen Aufenthalts in Lösnich.

Ralph Schoemann und seine jüngste Tochter Nancy sowie seine Schwester Jane Maas waren den weiten Weg aus den USA gereist, um an der Veranstaltung teilzunehmen. Ihr Vater, der 1936 in die USA flüchtete, wäre an diesem Tag 100 Jahre alt geworden. Chawa Bondi und ihr Mann David Bondi reisten aus Israel an. Sie kamen gemeinsam mit Chawa Bondis Bruder Maurice Peereboom (sowie dessen Frau Bertheke Peereboom), der mit seiner Familie in Holland lebt. Beide sind mit ihren Familien – neben den Familien ihrer drei Cousins – die einzigen Überlebenden der großen Familie von Aron Kaufmann, die im Lösnicher Joube-Haus gelebt hatte. Guy Schoemann sowie Bernard Schemann und seine Frau reisten aus Frankreich an. Guy Schoemann hat über viele Jahre selbst umfangreich zu seiner Familie geforscht. Seinen Eltern gelang es nach Frankreich zu fliehen, wohin auch seine Großvater Siegmund Schoemann, der das bekannte Textilkaufhaus in Traben-Trarbach führte, und seine Großmutter ebenfalls flohen, jedoch nach ihrer Verhaftung in Auschwitz umgebracht wurden. Yvonne Crampin und ihr Mann aus London gelang es – obwohl sie erst kurzfristig von dem Buch und den Forschungen erfahren hatten – erfreulicherweise ebenfalls nach Lösnich zu kommen. Ihre Familie hatte den Naziterror u.a. in Mexiko überlebt.

In den Redebeiträgen der Landrätin Läsch-Weber, des Verbandsgemeindebürgermeisters Hangert, des Ortsbürgermeisters Gassen und des Dechanten Moritz aus Zeltingen wurde der Ermorderten gedacht sowie auf die Notwendigkeit des Erinnerns an den Naziterror und ihrer Opfer verwiesen. Herr Botmann von der jüdischen Kultusgemeinde zu Trier sprach ebenfalls Grußworte aus. Das Emil-Frank-Institut in Wittlich, das der Herausgeber des Buches ist, war u.a. vertreten durch ihren Leiter, Herrn Prof. Dr. Bohlen, der in seinem Redebeitrag noch einmal die gesamte Forschung der beiden Autorinnen rahmte.

In Vorträgen der beiden Autorinnen, erzählte u.a. Marie-Luise Conen in lebendiger und kenntnisreicher Weise einzelne Geschichten zu den Häusern, in denen Juden in Lösnich gelebt hatten. Zum Abschluss nutzen viele Anwesende die Möglichkeit sich auszutauschen. Für viele – vor allem für die anwesenden Nachfahren – war es eine bewegende Begegnung mit der Vergangenheit.

Buch

Einladung zur Buchvorstellung
Sonntag, 13. Juni 2010 15.00-17.00 Uhr
Bürgerhaus, Hauptstraße, Lösnich

Jüdische Familien von der Mittelmosel
Lebensverläufe von 1714 bis zur Gegenwart
Lösnich – der Heimatort vieler jüdischer Familien von der Mittelmosel.

Von Lösnich aus zogen sie in Orte in der nähe­ren und weiteren Umgebung: Rachtig, Zeltingen, Ürzig, Kröv, Traben-Trarbach, Bernkastel, Witt­lich, Leiwen, Brauneberg, Mülheim, Bengel, Bausendorf, Kinderbeuern, Bollendorf und in andere Gemeinde der Mittelmosel, des Hunsrücks und der Eifel. Einige zogen in Großstädte wie Berlin, Dortmund, Köln, Düsseldorf und Frank­furt. Bereits im 19. Jahrhundert wanderten einige jüdische Familien nach Nordamerika aus; diese Verwandtenkontakte halfen manchen dem späte­ren Naziterror zu entfliehen, viele jedoch wurden in den Konzentrationslagern der Nationalsozialis­ten ermordet.

Marie-Luise Conen (Berlin, geboren in Lösnich) und Hilde Weirich (Kleinich) sind den Spu­ren der jüdischen Familien nachgegangen, die über 200 Jahre an der Mittelmosel ihr Zuhause hatten, generationenlang Nachbarn waren und den Alltag teilten.

Das Buch hält deren Geschichte fest, zeichnet ihre Wege innerhalb Deutschlands und in ande­ren Ländern nach und beschreibt auch Einzel­schicksale.

Programm
– 15.00 Uhr Grußwort der Landrätin Beate Läsch-Weber
– Grußwort des Verbandsbürgermeisters Ulf Hangert
– Grußwort des Bürgermeisters Winfried Gassen
– Grußwort Herr Benz Botmann, Vertreter der Jüdischen Kulturgemeinde Trier
– 15.30 Uhr Begrüßung und Einleitung der Herausgeber Prof. Dr. Reinhold Bohlen und Rene Richtscheid, Emil-Frank-Institut, Wittlich
– 15.45 Uhr Buchpräsentation und Vortrag der beiden Autorinnen
– Dr. Marie-Luise Conen und Hilde Weirich, anschl. Diskussion
– 16.45 Uhr Grußwort des Dechanten Georg Moritz
– 17.00 Uhr Gelegenheit für Gespräch und Gedankenaustausch mit anwesenden Nachfahren von jüdischen Lösnichern aus den USA, Holland, Frankreich und Israel

Leseprobe
Die Geschichte der Juden an der Mittelmosel beginnt Mitte des dreizehnten Jahrhun­derts. Im Jahre 1714 wurde dem Juden Jakob Moises, Knecht aus Bernkastel, 1745 dem Juden Mendel Feist und Ende 1751 dem aus Ürzig kommenden Emanuel Mendel Levy ein sogenannter Schutzbrief ausgestellt, erst von Casimir Friedrich von Kesselstatt (1664-1729), später von seinem Enkel, dem Reichsgrafen Hugo Johann von Kesselstatt (1727-1796). Er war unter anderem für die Juden in Lösnich und Bausendorf zuständig….

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____ Exemplar(e) je 19,50 €
Jüdische Familien von der Mittelmosel
von Marie-Luise Conen und Hilde Weirich, ISBN 978-3-7902-1377-5

Kontakt
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Tel. 06571-260124
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