Jüdischer Friedhof in Lösnich an der Mosel

Lösnich, ein bekannter Moselweinort, liegt an der Mittelmosel, zwischen Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach. Der Judenfriedhof befindet sich ausserhalb der Ortslage, in einem kleinen Seitental, ca. 5oo m bergaufwärts, inmitten Streuobstwiesen, eingerahmt von Weinbergen und Wäldern, an der Schwelle zum Hunsrück.

Dieser Friedhof wurde ab 1883 benutzt, wobei mir eine erste Beerdigung im Jahr 1885 bekannt ist, bei der Moses Raphael Schömann aus Bausendorf zu Grabe getragen wurde. Zu dieser Zeit gehörte das Dorf Bausendorf, ebenso wie Lösnich, zum Herrschaftsgebiet der Familie von Kesselstatt.

 

Die Friedhofs-Einweihung durch Rabbiner Dr. Ehrmann aus Trier und die erste Beisetzung waren zwei Jahre später, am 29. Juni 1885, als Moses Raphael Schömann aus Bausendorf beerdigt wurde. Über das Ereignis liegt ein Bericht aus der Zeitschrift „Der Israelit“ vor:

Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 30. Juli 1885: „Von der Mosel. Am Schabbat Paraschat Balak starb in Lösnich der Veteran von 1815 Raphael Schömann im 89. Lebensjahre. Die Beerdigung fand am darauffolgenden Montag unter zahlreicher Beteiligung von Nah und Fern statt. Mit derselben war gleichzeitig die Einweihung eines neuen Friedhofs verbunden, wozu seitens der dortigen Gemeinde Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Ehrmann aus Trier berufen worden war. In einer schwungvollen Rede, welche sowohl bei Juden als auch bei den zahlreich vertretenen Nichtjuden einen überaus guten Eindruck machte, gewährte derselbe einen kurzen Rückblick auf die Geschichte der deutschen Juden in diesem Jahrhundert, indem er einen Vergleich zog, zwischen der politischen Stellung der Juden in der Zeit, als der Verstorbene als Soldat wirkte, und der Jetztzeit. Auf Veranlassung der Ortsbehörde daselbst wurden bei Ankunft des Konduktes und bei Einsenkung der Leiche Böllersalven abgegeben.
Ein Mann aus dem Hause Levi.

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Vorher wurde ein andere Platz für Beerdigungen genutzt. Von diesem ersten Friedhof, der „Judenbusch“ genannt wurde, sind allerdings weder Mauern noch Steine erhalten geblieben.

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Wann genau die ersten Juden in Lösnich seßhaft wurden, ist ebenso nicht genau geklärt. Folgende Legende wird hier in Lösnich erzählt:

Lange vor den Zeiten des Schinderhannes, der bis in unser Gebiet umtriebig war, hatten Wegelagerer in einer kleinen Schlucht, die auf den Hunsrück führt, ein Seil quer über den Weg gespannt und wurden dann durch Glöckchen alarmiert, wenn ein Wanderer diesen Weg benutzte. Unter diesen Unglücklichen, die beraubt und auch ermordet worden sein sollen, hat sich der Sage nach auch ein jüdischer Viehhändler befunden, der seine Tiere nach Bernkastel-Kues bringen wollte. Ihm soll man das Vieh gestohlen haben und anschließend sei er getötet worden. An dieser Stelle wurde dann dieses Kreuz errichtet.

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Es zeigt die Jahreszahl 1638. Es ist m.E. natürlich sehr fraglich, ob man für einen jüdischen Viehhändler ein christliches Kreuzzeichen errichtete.

Allein die Bezeichnung „Viehhändler“ deutet darauf hin, daß zumindest ein Jude dabei war, denn dieser Beruf war bei den katholischen Lösnichern nicht zu finden.

Im Jahr 1714 erhielt ein erster Jude, von Kasimir Friedrich von Kesselstatt, welcher ein sogenanntes „Judenregal“ erhalten hatte und 1718 zum Reichsfreiherrn ernannt wurde, die Erlaubnis, hier zu wohnen. Es war ein Knecht, der aus Bernkastel kam und Jakob Moyses hieß. Genannt wurde er „Feis Jud“ oder auch „Feist“. Es war vermutlich ein Sohn von ihm, der im Buch „Juden im Aufbruch“ von C. Kasper-Holtkotte erwähnt wird:

< Wie rasch das Absacken vom Schutz in die Schutzlosigkeit geschehen konnte, zeigt das Beispiel des Mendel Feist. Seit 1745 besaß er das Geleit der Reichsgrafen von Kesselstatt für Lösnich. Von Beginn der 1770er Jahre an konnte er nur noch mit Mühe und schließlich das jährliche Schutzgeld von 6 Rthr 36 alb überhaupt nicht mehr aufbringen. Zunächst lieh er sich die Gelder bei Johann Pellenz Erben von Mesenich und beim Lösnicher Schultheißen, war dann aber nicht in der Lage, sie zurückzuzahlen.Der Reichsgraf ordnete daraufhin die Pfändung an, womit Feist seine Wohnung und auch den Schutz verlor. Von diesem Zeitpunkt an war er gezwungen, zwischen Zeltingen, Kröv und andern »benachbarten Ortschaften« hin und her zu pendeln. Kurzfristig konnte er sich nochmals in Lösnich niederlassen, ab 1778 taucht sein Name aber nicht mehr bei den Kesselstattschen Schutzjuden auf. >

Eine weitere schriftliche Bestätigung einer jüdischen Niederlassung stammt aus dem Jahr 1747. Es handelt sich dabei um einen Mietvertrag eines gewissen Benjamin Levi, der auch, ab 1751, als sogen. Schutzjude mit Privilegien ausgestattet war.

Dieser Schutz mußte beantragt und natürlich mit Schutzgeld bezahlt werden. Starb ein Schutzjude, wurde dieser Schutz auf einen Erben weitergegeben. Lösnich leistete sich dabei etwas besonderes: Als der Schutzjude Mendel Levi starb, wurden gleich zwei seiner Söhne zu Schutzjuden. Verständlich, wenn man bedenkt, daß die herrschaftliche Familie von Kesselstatt damit das Schutzgeld doppelt kassieren konnte.

Nach einer Anordnung von Napoleon vom 20. Juli 1808 mußten alle „Untertanen unseres Reiches, welche sich zu dem hebräischen Kultus bekennen“ , deutsche Familiennamen annehmen. In Lösnich benutzten sie die im Ort häufig vorkommenden Familiennamen: Schömann und Kaufmann. So wurde aus Levi – Schömann. Die Schreibweise wechselte auch schon mal innerhalb der Familie zu Schoemann. Auf dem Jüdischen Friedhof von Kröv findet man ein Grab von einem Herrn Schömann und das Grab seiner Frau, mit der Schreibweise: Schoemann.

1843 zählte die jüdische Gemeinde 22 Seelen, im Jahr 1900 waren es 53 und im Jahr 1928 nur noch 13.

Die ersten jüdischen Bewohner gingen nach Zeltingen zum Gottesdienst, über das „Judenpädchen“, als Lösnich eine eigene Synagoge hatte, kamen auch Juden aus Bausendorf hierhin, die im gegenüberliegenden Moselort nur eine einzige Straße benutzen durften, die heute auch noch „Judengasse“ heißt. Kinheim gehörte zum „Cröver Reich“, in dem Juden unerwünscht waren.

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2014

An der Friedhofsmauer wurden breite Risse ausgebessert und 2 Seiten wurden innen verputzt. Die Kosten in Höhe von 2.380,00 € wurden von der ADD, Trier komplett übernommen.

SelfTimer Off

Am 10. April besuchte eine Gruppe Interessierter unseren jüdischen Friedhof. Initiiert und geleitet von der Gedenkstätte Hinzert und der ADD, Trier.

Hinzert


Das Team vom jüdischen Friedhof