Informationen über den Ort Lösnich

Der Südwesten Deutschlands wird geprägt durch einen Fluß, der in den französischen Vogesen entspringt und sich bei Koblenz, am Deutschen Eck, mit dem „Vater“ Rhein verbindet. Es ist die wunderschöne Mosel, die sich durch das Schiefergebirge windet und täglich von unzähligen Touristen wegen der herrlichen Landschaft, geprägt von Weinbau, idyllischen Dörfern und Burgen, besucht wird.
In vorgeschichtlicher Zeit war der Mosellauf sehr kurz, denn sie mündete bereits bei dem Ort Pagny sur Meuse in die Maas. Dieser Fluß hatte den Namen Mosa, der für die Maas bis zur Römerzeit beibehalten wurde. Erst als die Mammuts ausgestorben waren, nahm die Mosel ihren heutigen Lauf. Weil ihre Länge kürzer als die der Maas war, gab man ihr die Bezeichnung: Mosella, was kleine Mosa, bzw. kleine Maas bedeuted. Ihre Länge beträgt heute 505 km, in der Luftlinie gemessen jedoch nur 278 km und „fällt“ dabei 677 m tief.
Lösnich findet man etwa in der Mitte des Flusslaufes zwischen Koblenz und der Stadt Trier, die von den Römern zum zweiten Rom ausgebaut wurde, wovon noch viele prächtige Bauten zeugen, wie z.B. die Porta Nigra oder die Kaiserthermen.
Bei Bernkastel-Kues, dem Städtchen mit zauberhaften Fachwerkbauten und der berühmten Weinbergslage: „Bernkasteler Doktor“ beginnt eine Doppelschleife der Mosel, die wie ein Herz aussieht und bei Traben-Trarbach endet. Der Gründer des Rennsteig-Vereins, welcher den Rennsteig unsterblich machte, der Thüringer August Trinius, schwärmt in seiner Reisebeschreibung: „Die Mosel“ über diesen berühmtesten Abschnitt des Moseltals: „Wanderer, ziehe deine Schuhe aus! Geweiht ist dieser Boden!“
Unten in Traben-Trabach findet man mit ca. 16,5 m die tiefste Moselstelle und oben auf der Höhe „Mont-Royal“, eine ehemalige Festungsanlage der französischen Armee. Der Abzug der Soldaten wurde um 1698 gegen Übergabe der Stadt Straßburg an Frankreich erkauft.
In diesem Moselherz, auch „Moselhandschuh“ genannt, findet der Weinkenner die weltbesten Rieslingweine: Graacher Himmelreich, Wehlener Sonnenuhr, Zeltinger Schloßberg, Ürziger Würzgarten und Erdener Treppchen. Aber auch eine Spitzenlage, die wegen ihres geringen Ertrages kaum bekannt ist, nämlich den Erdener Prälat und eine Lage, die durch ihre Größe weltberühmt ist, den Kröver Nacktarsch. Und mittendrin ruht Lösnich mit dem Lösnicher Försterlay.

 

Geschichtlicher Beginn

Unzählige Funde aus der Römerzeit, Ausgrabungen von römischen Kelteranlagen und Villen zeugen von der frühen Besiedlung des Moselraumes. Lösnich und seine Nachbarorte weisen besonders viele Funde auf, die auch schon auf die Zeit vor Christi Geburt hindeuten und Zeugen der frühen Bebauung sind.
Bei Lösnich wurde ein Keltengrab entdeckt, welches um 600 n.Chr. erbaut worden sein soll.
Von besonderer Bedeutung für Lösnich ist das Jahr 1066. An Ostersamstag starb während einer Messfeier der Trierer Erzbischof Theoderich. In einem Dokument aus jener Zeit wurden Juden für seinen Tod verantwortlich gemacht. Dieses Schreiben wird übrigens auch als ältester Beweis für jüdische Bevölkerung in Trier angesehen. Die vakante Bischofsstelle wollte der Erzbischof von Köln mit seinem Neffen, Kuno von Pfullingen, besetzen, ohne allerdings vorher die Zustimmung der Trierer Stadtväter einzuholen. Damit sollen die Trierer Juden nicht einverstanden gewesen sein und hätten den Trierer Stadtvogt, auch mit Namen Theoderich, gedrängt, das Vorhaben zu verhindern und Kuno zu ermorden. Dieser sandte daraufhin dem Anrückenden Soldaten entgegen, die Kuno in Bitburg festnahmen und an die Mosel nach Ürzig brachten. Nach 14 Tagen im Burgverließ wurde er 3 mal die Felsen herabgeworfen, ohne jedoch dadurch ernsthaft verletzt zu sein. So enthaupteten sie ihn anschließend und ließen seinen Leichnam einfach liegen. 40 Tage später erbarmten sich Bürger aus dem nächstgelegenen Ort auf der gegenüberliegenden Moselseite und holten den Toten über die Mosel und beerdigten ihn vor ihrer Kirche.
Diese Vorgänge wurden von einem italienischen Wandermönchen, auch mit Namen Theoderich, ein paar Jahre später niedergeschrieben. Leider ist das Original nicht mehr vorhanden, sondern nur noch eine Abschrift, die mehrere hundert Jahre später angefertigt wurde. Darin ist zwar der Ortsname Lösnich nicht 100 %ig exakt geschrieben, es steht dort „Loncscet“, was entweder auf eine schlechte Übersetzung Theoderichs ins lateinische oder einen Übertragungsfehler der Abschrift zurückzuführen ist. Die richtige Schreibweise wäre entweder Lonset oder Loncetum gewesen. Es ist zu vermuten, dass die Churkölner, zu dessen Besitztümer Zeltingen-Rachtig und Lösnich zählten, den Auftrag zur Bergung Kuno´s gaben, weil dieser ja auf Churtrierischem Gebiet lag, zu dem Ürzig und der andere gegenüberliegende Ort Erden gehörten.
Lösnich lag schon immer an Grenzen: Hier endete das Herrschaftsgebiet der Bistums Köln, ebenso wie das Cröver Reich, die Grafen aus Manderscheid kamen nur bis zum Nachbardorf Wolf und reformierten dieses, Napoleon zog die Grenze des Departements Moselle an Lösnich vorbei, der Regierungsbezirk Trier endet hier und der ehemalige Kreis Bernkastel-Kues. Jetzt ist nicht nur der Anfang der Verbandsgemeinde Bernkastel-Land in Lösnich, sondern auch unser dickes Telefonbuch kennt keine Teilnehmer, die östlich von Lösnich wohnen.

 

Chronik

Wenn auch die Funde aus der Römerzeit von intensivem Weinbau zeugen, so gibt es doch leider keine Schriftstücke, die ein konkretes Zeugnis über diese Zeit des Ortes liefern.
Aber noch bevor die Universitäten von Köln und Heidelberg gegründet waren, wird Lösnich in Urkunden und Verträgen erwähnt.
Aber erst die Familie Kesselstatt führte sogar vorbildlich alles schriftlich auf, was sich in ihrem Herrschaftsbereich ereignete. Deren Sammlung ist heute im Stadtarchiv Trier untergebracht und umfasst 1.000 Urkunden und 6.000 Dokumente.
Bis zu deren Zeit sind nur Zeitfragmente vorhanden.
1324 erklärt Aegidius von Daun seine Güter zu Loncetum (Lösnich) nebst andern Besitzungen, vor allem die Vogtei „Cröver Reich“ für 1000 Pfd. Heller an den Erzbischof Balduin von Trier übergeben zu wollen.
1327 wird der Name Lorettas (Lauretta von Sponheim) in Verbindung mit einer Fehde gegen Aegidius von Daun genannt, gegen den die Einwohner des Kröver Fiskus zusammen mit der Gräfin standen vielleicht wegen des beabsichtigten Verkaufs der Vogtei , scheint nicht zum Ausbruch gekommen zu sein. Vermutlich war Lösnich nicht Teil der Vogtei Kröv, sondern die genannten Fürsten- und Bistümer hatten hier nur Grundbesitz.
Im Jahr 1330 tritt uns in der Geschichte zum erstenmal ein „Herr von Lösnich“ entgegen, nämlich Ritter Conrad von Lösnich, Herr zu Arras bei Alf a. d. Mosel.
Fahren wir nun in der Geschichte des Ritters Conrad von Lösnich fort. 1337 verpfändet ihm die Gräfin Lauretta von Sponheim, dieselbe, die den Erzbischof Balduin (Balduin von Luxemburg) trotz des mit ihm geschlossenen Waffenstillstandes auf seiner Reise nach Coblenz 1327gefangen nahm, indem sie die Mosel unterhalb Trarbach durch eine Kette versperren ließ, ihre Güter zu Erden um 200 Schilling.
1341 empfing Conrad neue Trierische Lehen und trug zugleich gegen Empfang von 200 Pfd. Trierischer Pfennige seine Güter zu Lösenich und Erden dem Erzstift Trier zu Lehen auf.
Ab 1349 wüteten Pestepidemien in Deutschland und verschonten auch den Moselraum nicht und vielleicht fiel deshalb die Kröver Vogtei im Jahr 1356 an Heinrich von Daun zurück, weil eine gesetzte Frist nicht eingehalten wurde.

Der Streit zwischen Trier und Sponheim ging heftig weiter, bis zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Heinrich von Daun musste den Sponheimer versprechen, die Vogtei an niemanden mehr zu verpfänden oder zu verkaufen, außer an die Sponheimer, dann belehnte Erzbischof Kuno von Trier 1378 denselben Heinrich von Daun als Afterlehen mit dem trierischen Teil an Feste und Herrschaft Daun – sowie der Kröver Vogtei. Erzbischof Kuno übertrug im Jahre 1382 dieses Lehen auf Heinrichs Sohn Johann von Daun. Dieser verkaufte aus finanzieller Not seine restlichen Güter an den Erzbischof und verzichtete 1389, wie anfangs erwähnt, endgültig auf die Vogtei im Kröver Reich. Der Erzbischof setzte zum Verwalter seiner Rechte Ritter Dietrich von Kesselstatt als Vogt ein. Es ist dies der erste bekannte Kesselstadt im Bereich Lösnich.
Lisa von Lösenich, die Tochter Conrads, heiratete in zweiter Ehe den Ritter Heinrich Bayer von Boppard . Er starb am 22. August 1375 und sie um 1392.
Es ist eine Tochter Else bekannt, die den Thilemann von Hagen heiratete.
Der Sohn Conrad Bayer von Boppard setzte die Herrschaft in Lösnich fort und fügte das Lösnicher Wappen dem des Vaters, einem schwarzen Löwen im silbernen Feld, hinzu.
Infolge seiner Heirat mit Maria von Parroye verlegte er seinen Wohnsitz nach Lothringen. Dort gelangten die Bayer von Boppard zu hohen Ehren und großem Reichtum. Conrad Bayer von Boppard war ein bedeutender Prälat des Spätmittelalters, neben Theoderich und Georg von Baden.
1560 erscheint Johann Bayer von Boppard als Freiherr. Sein Sohn, Georg Freiherr Bayer von Boppard zu Chateau Brehain, Tontron, Latour und Lösenich, zog in den Türkenkrieg,
1598 machte eine türkische Stückkugel dem Leben dieses 33jährigen Edelmanns ein Ende.
Da er der letzte Mann seines Geschlechtes war, wurde er von seinen beiden Schwestern beerbt. Bei der Teilung fiel die Herrschaft Lösenich der älteren Schwester Anna zu. Sie war an Christoph von Kriechingen verheiratet, und so kam Lösenich in den Besitz derer von Kriechingen.
Die Herrschaft Lösnich wurde von dem Grafen Kesselstatt erworben.
Aus der Zeit des 30-jährigen Krieges sind nur wenig Informationen erhalten.
Schon im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts hatte Johann Adam von Kesselstatt eine Clara von Lösnich geheiratet, und war schon dadurch zu Lösnich in Beziehung getreten. Das Jahr, in welchem die Kesselstatts die Herrschaft von Lösnich antraten, scheint nicht festzustehen. Sicher waren sie, wie Bärsch behauptet, schon im 17. Jahrhundert in Lösnich.
Im Pfarrarchiv findet sich noch die Abschrift eines Erblehnsvertrags, in welchem Franz Ernst v. Kriechingen die Güter dieser Stiftung im Jahre 1654 „seinem lieben und getreuen Amtmann Horst zu Lösnich“ zum erblichen Lehen übergibt,

Graf Hugo von Kesselstatt beabsichtigte gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Herrschaft Lösnich, zu der auch Bausendorf gehörte, dem oberrheinischen Kreise als unmittelbare Reichsherrschaft einverleiben zu lassen, aber die französische Revolution vereitelte diesen Plan. Die Tage des alten Kurstaats Trier und der Herrschaft Lösnich waren gezählt, sie fielen an Frankreich, kamen dann, freilich unter Verlust der frühern Selbstherrlichkeit, an Deutschland zurück, und seitdem gehört Lösnich zur preußischen Rheinprovinz, zur Westmark des Deutschen Reiches.