Verschiedenes

Einen Einblick in die Schwierigkeiten, die jüdische Händler hatten, können Sie in einem Auszug aus dem Buch: Juden im Aufbruch, von Cilli Kasper-Holtkotte nachlesen. Klicken Sie bitte auf diesen Text!


Buchempfehlung: Schumanns Reise von Hal Marienthal.

Der Autor dessen Großvater in Lösnich und dessen Vater in Zeltingen geboren wurden.

In Romanform beschreibt Schumanns Reise Kindheit und frühe Jugend des Autors bis zu seiner Emigration 1936 im Alter von 12 Jahren. Hal Marienthal wurde 1923 in Frankfurt geboren, die Familie zog jedoch bald nach Dortmund. Als seine Mutter 1929 stirbt, bringt der Vater ihn und seine Schwester in einem jüdischen Waisenhaus in Paderborn unter. Der Junge hält es dort nicht lange aus und läuft weg. Drei Jahre streift er allein durchs Land, schläft im Wald und in Heuschobern, findet gelegentlich Obdach bei fremden Familien. Als seine Situation wegen des wachsenden Antisemitismus immer schwieriger wird, meldet er sich bei einem Onkel im Hunsrück und kehrt schließlich zu seinem Vater nach Dortmund zurück. Nach der Machtergreifung der Nazis wird der Vater als aktives KPD-Mitglied wiederholt verhaftet und gefoltert. Auch für Hal (der damals noch Helmut hieß) wird das Leben gefährlich, denn er verteilt für die KPD Flugblätter und klebt Plakate. 1935 muß er mehrfach untertauchen, er versteckt sich in der Kanalisation, in aufgelassenen Bergwerkschächten. Gleichzeitig läuft sein Visumantrag für die USA, wo Verwandte seines Vaters ihn adoptieren wollen. Um seine Ausreisepapiere zu bekommen, muß er allein nach Stuttgart reisen. Zu dieser Zeit fahndet bereits die Gestapo nach ihm, so daß seine Flucht nur knapp gelingt und nur durch die mutige Hilfe mehrerer Menschen, denen er auf seiner Reise begegnet.


1867 wurde eine Synagoge in Lösnich, auf dem Grundstück von Moses Schömann, gebaut, die nach dem 2. Weltkrieg teilweise abgerissen und an deren Stelle ein Wohn- und Gästehaus (Gästehaus Moseler, Sperrgarten 6) errichtet wurde. Die Einweihung der Synagoge fand Ende September 1867 statt.

Synagoge mit Hofraum, Sperrgarten 94,von Jüdischer Gemeinde 1937 an Peter Simon, Winzer und Ehefrau Katharina Theresia Jakoby zu 2/3 und 1/3 an Johann Braun und Ehefrau Margarethe Reuter verkauft. 1940 an Josef Caspary und Wwe. Anna Orthmann und 1952 an Anna Orthmann und Joh. Moseler, Ww. und 1956 an Leo Moseler und Annemarie Caspary übertragen.


In der Ruprik „Diverses“ kann ich noch folgendes berichten:

– Der nächste Ort moselaufwärts heißt Erden. Er gehörte früher zum „Cröver Reich“, in dem Juden nicht geduldet waren. Im übernächsten Ort, Rachtig, wohnten wieder viele jüdische Bürger, bei denen sich auch mancher Nichtjude gerne mal eine Mark, z.B. beim Matzenbäcker, beim Bürstenmacher oder beim Viehhändler, verdiente. Um jetzt von Lösnich nach Rachtig zu gelangen, benutzten die Juden einen Pfad, der oberhalb von Erden entlangführte. Das sogenannte „Judenpädchen“. In den 70er Jahren fiel es allerdings der Flubereinigung zum Opfer. Zum Stichwort „Kröv“ noch eine unwichtige Randnotiz: von 1966 bis 1974 hatte der ehemalige Reichsjugendführer und deren Gründer, Baldur von Schirach, seinen Wohnsitz in Kröv. Vorgenannter leitete später auch als Gauleiter in Wien den Abtransport von Juden in Konzentrationslager. Sein Grab befindet sich seitdem auf dem Kröver (christlichen) Friedhof und ist noch nicht entfernt worden, wie es normalerweise nach 25 Jahren Liegezeit der Fall ist.


Ob die folgende Geschichte mehr als einen Funken Wahrheit enthält, ist mir nicht genau bekannt:

– Ein jüdischer Händler wollte mit anderen zusammen seine Waren über den Berg zum Markt nach Bernkastel-Kues bringen. Bei einem Weinberg verließen ihn die Kräfte und er sank zu Boden. Seine Begleiter merkten, daß es ihm sehr schlecht ging sein Leben ernsthaft in Gefahr war, bzw. es mit ihm zu Ende ging.. Deshalb verständigten sie dessen Ehefrau in Lösnich. Als diese bei ihrem Mann angekommen war, sagte dieser, sie solle ihm doch noch einen lezten Gefallen tun und ihm, zu seinem friedvollen Abschied von dieser Welt, noch ein „süßes“ Wort sagen. Ihr fiel nur ein Wort ein: Hornig, was im deutschen „Honig“ heißen soll. In der Tat ein „süßes“ Wort. Seitdem wurde dieser Berg „Hornigberg“ genannt.


Eine Skizze zeigt die Größe der Friedhofs-Anlage: Grundriß


Im Winter 2003/04 wurden folgende Arbeiten am Friedhof durchgeführt:

Einbau eines neues Tores, nachdem das alte Holztor wahrscheinlich durch Wild zerstört wurde. Finanziert durch Spenden der Sparkasse, der Gemeinde und Übernehme der Restkosten durch die ADD, Trier. Entwurf: Werner Gessinger, Ausführung: Schlosserei Spier, Traben-Trarbach. Die äußere Form des einflügeligen Tores stellt das „M“ der Mittelmosel dar. Ein stilisierter siebenarmiger Leuchter, Menora genannt, lässt gleich erkennen, dass es sich um einen jüdischen Friedhof handelt, ebenso wie zwei Davidsterne, die auch daran erinnern sollen, dass dies bereits der zweite jüdische Friedhof in Lösnich ist.

Aufstellen einer Ruhebank. Gestiftet von Raiffeisenbank und Sparkasse.

Sicherungsmaßnahmen an verschiedenen Grabsteinen. Bezahlt von der ADD, Trier.


Auch unser Friedhof ist bei den 2146 Steinen dabei, mit denen der Künstler Jochen Gerz auf der Zufahrt zum Schloß von Saarbrücken ein unsichtbares Mahnmal gegen Rassismus schuf. Die Steine wurden, anfangs heimlich und nachts, von Studenten entfernt und durch andere ersetzt, die die Orte mit jüdischen Friedhöfen eingemeißelt hatten. Und das nicht auf der Oberseite, sondern unsichtbar auf der Unterseite. Das Werk wurde 1990 begonnen und dann durch die Stadtverwaltung weitergeführt und im Mai 1993 fertiggestellt.